Allgemeines

Zur Homepage
Aktuelles
Newsticker
Links
Mitglieder
Videothek
Impressum
ANB / Disclaimer

 

Statuten

 

Publikationen

 

Partner



 

     

Druck-Version  PDF-Version

      

Philosophische Analyse


Gibt es prinzipielle Grenzen in den Naturwissenschaften?

Besprechung des Buches "Welt ohne Gott" - Teil 1 [1]

   

Lava ergießt sich ins MeerWarum verhalten sich die Dinge gesetzmäßig, woher kommt die "Ordnung" in der Natur? Warum gibt es überhaupt etwas und nicht nichts? Was ist das "innere Wesen" der Dinge? Woher stammen Bewusstsein und Geist? In dem Buch Welt ohne Gott? Eine kritische Analyse des Naturalismus (2014) setzt sich der evangelikale Christ Markus WIDENMEYER mit solchen Fragen auseinander. Er behauptet, aus Sicht des Naturalismus der Naturwissenschaften seien all diese Fragen nicht nur "radikal unerklärt", sondern prinzipiell unerklärbar. Er entwickelt daraus Argumente gegen den Naturalismus und behauptet, die einzig rationale Antwort auf diese Fragen sei "Gott" (bzw. der Supranaturalismus). In diesem Buch bündeln sich die Argumente religiös motivierter Naturalismuskritik; wir wollen es daher in 10 Teilen besprechen. Teil 1 widmet sich der Frage, ob es prinzipielle Grenzen der Naturwissenschaften gibt und ob der Supranaturalismus eine (plausible) Erklärung für sie liefern kann.

   

Metaphysische Fragen zur Existenz der Welt und Ordnung der Natur


Bei WIDENMEYER lesen wir:

"Die Naturwissenschaft kann die grundlegende Regelmäßigkeit und damit einen wesentlichen Aspekt der Ordnung, die wir in der Natur wahrnehmen, aus prinzipiellen Gründen nicht erklären. Vielmehr ist diese Regelmäßigkeit eine theoretisch-methodische und eine metaphysische Grundvoraussetzung, um überhaupt Naturwissenschaft betreiben zu können." (ebd., 103)
"Naturwissenschaft kann … nur dort funktionieren, wo die Natur sich durchgängig hochgeordnet verhält und Gesetzmäßigkeiten folgt. Für das Betreiben von Naturwissenschaft muss also notwendig eine umfassende natürliche Ordnung vorausgesetzt werden, weil nur unter dieser Voraussetzung ihre Gegenstände systematisch beschreibbar sind und nur dann Gegenstände überhaupt denkbar sind. Und was für eine Erklärung vorausgesetzt werden muss, kann im Rahmen dieser Erklärung natürlich nicht selber erklärt werden." (ebd., 106)

In der Tat, nur wenige Wissenschaftsphilosophen dürften bestreiten, dass es prinzipielle Erklärungsgrenzen gibt: Das zufällige Zusammentreffen zweier Ereignisse beispielsweise, die auf voneinander unabhängigen Kausalketten beruhen, kann nicht nur nicht erklärt werden, es wäre auch unvernünftig, nach Erklärungen zu suchen. Der Umstand etwa, dass Sonne und Mond dieselbe scheinbare Größe am Himmel haben, ist eine Koinzidenz, für die es keinen Kausalzusammenhang und keine Erklärung gibt (VOLLMER 1986, 66f). Die Existenz jener Strukturen des Kosmos, die einen Urknall erzeugt haben, ist ebenfalls keiner Erklärung zugänglich. Man versucht zwar, mit der Erklärung so weit wie möglich an den Anfang zurück zu gehen, aber irgendwo muss die Ursachenkette beginnen, sonst landet man in einem unendlichen Regress.

Zu der metaphysischen Frage, warum überhaupt etwas existiert und nicht nichts, bemerkt der Wissenschaftsphilosoph Bernulf KANITSCHEIDER (1999):

"Diese berühmte und geheimnisvolle Frage, die schon Martin Heidegger aufgeworfen hat … das ist sicher die letzte Frage der Kontingenz. Sie ist aber aufgrund der logischen Struktur einer Erklärung gar nicht lösbar – aber nicht, weil da ein letztes Mysterium dahintersteckt. Eine Erklärung kann immer nur etwas mit etwas anderem verknüpfen, aber niemals etwas mit nichts. Also gibt es auf diese Frage keine Antwort."

Das gleiche gilt für die Frage, warum die Dinge konstant miteinander verbundene Eigenschaften haben, die man mithilfe von Naturgesetzen beschreiben kann: Warum verhalten sich die Naturgegenstände gesetzmäßig? Antworten auf diese Fragen kann man nicht geben, weil die Sachverhalte, auf die sich diese Fragen beziehen, zu den metaphysischen Voraussetzungen wissenschaftlichen Erklärens gehören – und als solche können sie nicht Gegenstand des Erklärens selbst sein. Es handelt sich um eine Grundeigenschaft der Welt, die sich nicht weiter hinterfragen lässt, denn der Erklärungsregress muss irgendwo ein Ende haben (MAHNER, pers. comm.).

Kurzum, es gibt Tatsachen, die keine Erklärung zulassen, so genannte facta bruta. Fraglich ist nur, ob man darin einen Mangel des Naturalismus zu sehen hat, wie WIDENMEYER zu glauben scheint, oder ob dies in der Natur der Dinge und in der logischen Struktur des Erklärens selbst liegt. Der Autor fordert von der naturalistischen Wissenschaftsphilosophie etwas ein, was diese explizit als unmöglich erachtet, nämlich die Auflösung von facta bruta. Daher ist seine Kritik am Naturalismus gegenstandslos, weil sie seinem Selbstverständnis widerspricht.

   

Warum "Gott" keine vernünftige Antwort auf metaphysische Fragen ist


Noch fraglicher ist, ob der von WIDENMEYER konstatierte Erklärungsmangel durch den Supranaturalismus behoben werden kann: Wenn facta bruta wie die Tatsache, dass es einen gesetzmäßig beschreibbaren Kosmos gibt, schon aufgrund des endlichen Erklärungsregresses nicht auflösbar sind, warum sollte dann ausgerechnet Gott eine befriedigende Erklärung dafür sein? WIDENMEYER:

"Die einzige funktionierende Erklärung für die unvorstellbare Ordnung einer Welt, die ganz exakt so eingerichtet ist, dass es eine hochkomplexe Chemie, mathematisch formulierbare Strukturen und schließlich Lebewesen geben kann, ist … die kreative Konzeption und Erschaffung durch (mindestens) ein äußerst intelligentes Wesen, das auch die Macht besitzt, derartige Pläne zu realisieren." (ebd., 198)

Ein omnipotenter Schöpfer löst das Erklärungsproblem auch nicht, sondern verlagert die Erklärung nur einen Schritt weiter nach hinten. Die Theologie kann ja ihrerseits Gott nicht erklären, sieht sich also ebenfalls mit einem factum brutum konfrontiert. Dies scheint auch WIDENMEYER zu realisieren, denn er stellt fest:

"Dass Gott existiert, ist zwar nicht ‚erklärbar‘ im Sinne von 'aus etwas noch Grundlegenderem ableitbar'. Das kann auch gar nicht der Fall sein und es wurde von Theisten nie akzeptiert oder gar behauptet." (ebd., 203)
"'Wer schuf Gott?' Diese Frage ist zumindest formal gegenstandslos, weil durch die Jahrtausende hindurch Theisten niemals von einem geschaffenen oder entstandenen Gott ausgingen. Dies wäre für ihr Konzept ein Widerspruch in sich. Stattdessen gibt es vielfältige theologische Konzepte eines ewigen, unerschaffenen Gottes, die uns nicht nur aus der Bibel, sondern auch zum Beispiel von den beiden bedeutendsten griechischen Philosophen, Platon und Aristoteles, überliefert sind. Aristoteles formulierte zum Beispiel im 12. Kapitel seiner Metaphysik das Konzept des 'unbewegten Bewegers', also einer unverursachten Ursache. Der Theist antwortet auf diese Frage also einfach so, dass Gott, wie er für ihn relevant ist, sowieso unerschaffen und ewig existent sei, womit die Attacke des Atheisten ins Leere geht." (ebd., 200)

Leider scheint er nicht zu erkennen, dass damit auch seine "Attacke" gegen den Naturalismus scheitert: Warum dürfen die Naturwissenschaftler nicht einen nicht mehr hinterfragbaren, unerschaffenen Grundzustand der Welt als metaphysische Anfangsbedingung voraussetzen, wenn die Theologen einen nicht mehr hinterfragbaren, unerschaffenen Gott als Erklärungsgrund voraussetzen dürfen? Das Voraussetzen eines materiellen Anfangszustandes, dessen Eigenschaften sich hypothetisieren, überprüfen, rekonstruieren, nötigenfalls revidieren (mit einem Wort: erforschen lassen), ist doch allemal erklärungsmächtiger und intellektuell befriedigender als eine fiktive Gott-Entität, die sich nicht zeigt, über die wir nichts wissen und für deren Materie-Interaktion wir keine Mechanismen kennen.

Es kommt hinzu, dass die thomistischen "Vernunftgründe" für die Existenz Gottes, etwa das Argument vom "unbewegten Beweger" und "unverursachten Verursacher" (argumentum ex ratione causae efficientis) [2]
nicht stringent sind: Wenn wir mit der modernen Kosmologie davon ausgehen, dass der ursprünglichste Zustand der Welt eine Art Quantennatur besaß, in der es weder einen Zeitpfeil noch ein Kausalprinzip noch "versteckte Parameter" zu geben scheint, gibt es auch keine Ursache (Gott), die in einer Zeit davor hätte wirken können. Das Kausalprinzip beschreibt lediglich den Ablauf der klassischen Welt, so dass fraglich ist, ob es im Anfang von Raum und Zeit Gültigkeit besaß (MORRISTON 2000). Die Frage, was "vor" dem Urknall gewesen sein mag, lässt sich nicht mehr sinnvoll im Rahmen der normalen Raum-Zeit-Kategorien stellen. Lediglich die metaphysische Behauptung, dass ein Gott per Definition weder an raumzeitliche noch an materielle Strukturen gebunden sei, dass er weder räumlich, noch zeitlich, noch endlich, noch materiell, noch gesetzmäßig, noch begrifflich oder methodologisch fassbar sei, könnte WIDENMEYER aus dem Dilemma befreien. Damit aber fielen erst Recht alle rationalen Begründungsstrukturen, alle Vernunftgründe weg, die Gottexistenz für wahr zu halten. Denn die Annahme der Existenz von etwas, das sich weder semantisch einkreisen noch logisch fassen lässt und für dessen Wirken keine objektive Grenze angegeben werden kann, kann schlechterdings nicht für "wahr" oder "falsch" gehalten werden. Es gibt einfach keine Evidenz.

Die Schwäche in WIDENMEYERs Argumentation ist also, dass sie nirgendwo zeigen kann, wie der Supranaturalismus zu konkreteren Erkenntnissen oder gar Erklärungen gelangen könnte. Den an sich gestellten Anspruch, einen intelligibleren Lösungsansatz zu präsentieren als den Naturalismus, kann er nicht einlösen. Implizit kann sich der Supranaturalist, um es mit MACKIE (1985, 230) auszudrücken, lediglich auf den Glaubensgrundsatz berufen,

"… dass sich eine geistige Ordnung (wenigstens bei Gott) aus sich selbst erklärt, wohingegen alle materielle Ordnung nicht nur nicht sich selbst erklärt, sondern auch positiv unbegründet ist und einer weiteren Erklärung bedarf."

Damit aber setzt WIDENMEYER etwas als gegeben voraus, was er nicht belegen kann, sondern einfach nur behauptet. In seiner Diktion liest sich dies so:

"In der relevanten Hinsicht ist aber die Existenz Gottes in sich verständlich, was insbesondere heißt, dass dieser Sachverhalt nicht mit einer sehr geringen a priori-Wahrscheinlichkeit oder gar einer Unmöglichkeit verbunden ist. Damit bleibt die anfangs gemachte Schlussfolgerung bestehen: Die Annahme der Existenz Gottes scheint für ein rationales Konzept der Wirklichkeit alternativlos zu sein." (S. 203)

Warum soll ausgerechnet die Existenz Gottes in sich verständlich sein? Wo ist der Beweis dafür? Dem Philosophen Hans ALBERT zufolge scheint ein solcher Nachweis gar nicht geführt werden zu können, weil jeder Versuch einer Letztbegründung in ein unauflösbares Trilemma führt (Abb. 1). Der Versuch, die Selbstverständlichkeit der Gottexistenz zu begründen, führt entweder in einen unendlichen Regress (jede Aussage muss durch weitere Aussagen begründet werden, was praktisch nicht durchführbar ist), zu einem Zirkelschluss (wonach das zu Beweisende bereits vorausgesetzt wird) oder zu einem willkürlichen Abbruch des Regresses (ALBERT 1991, 15). Die Behauptung, Gott sei in sich verständlich (oder a priori wahrscheinlich), kann nur dogmatisch (bzw. definitorisch) vorausgesetzt werden.
     














Abb. 1
Gemäß dem MÜNCHHAUSEN-Trilemma ist es unmöglich, eine letztgültige Wahrheit oder eine nicht mehr hinterfragbare erste Ursache anzugeben, die sich selbst begründet, aus sich heraus verständlich bzw. selbstevident ist, ohne selbst unerklärte Annahmen vorauszusetzen. Offenbar muss jeder etwas als gegeben hinnehmen, was er nicht weiter begründen kann. Die Philosophie kann sich sozusagen nicht an den eigenen Haaren aus dem Sumpf ziehen, wie es dem Baron MÜNCHHAUSEN gelungen sein soll. Jeder Versuch, dieses Problem zu umgehen, führt in einen unendlichen Begründungsregress, zu einem (willkürlichen) Abbruch des Regresses oder zu einem Zirkel wechselseitiger Selbstbestätigung. Was WIDENMEYER offenbar nicht sieht: Dies gilt auch und in besonderem Maß für den Supranaturalismus.


     
WIDENMEYERs Lösungsangebot für die "Erklärungsprobleme" des Naturalismus erscheint also nur dann akzeptabel, wenn man das supranaturalistische Dogma bereits als selbstverständlich akzeptiert hat, ohne dessen Selbstverständlichkeit belegen zu können. Eine rationale, letzte Begründung der Gottexistenz ist damit unmöglich geworden. Wenn aber keine Letztbegründungen hinsichtlich der Geltungs- und Erklärungsansprüche möglich sind und wir nicht entscheiden können, ob am Anfang ein Gott oder ein materieller Zustand existierte, herrscht dann nicht die viel beschworene Patt-Situation zwischen Naturalismus und Supranaturalismus? Gründet am Ende gar jede Erkenntnis auf blinder Dogmatik?

Beide Fragen kann man verneinen: Erstens spricht gegen eine Patt-Situation das Argument der Begründungslast. KANITSCHEIDER (2003) sagt: "Derjenige, der für die Existenz eines Seins-Bereiches plädiert, trägt die argumentative Stützungslast". Wer z.B. behauptet, Telepathie sei ein realer Sachverhalt, muss dies zeigen. Nicht der Skeptiker muss belegen, dass Telepathie unmöglich ist. Da der Naturalismus nicht mehr voraussetzt als die Welt, der Supranaturalist der Welt dagegen eine weitere Seins-Sphäre oktroyiert, liegt die Begründungslast auf Seiten der Supranaturalisten.

Zweitens ist die Idee der Letztbegründung in den faktischen Wissenschaften durch die Idee der kritischen Prüfung ersetzt worden (VOLLMER 1986, 169). Das bedeutet, dass Theorienbildung zwar zu einem gewissen Grad ein willkürlicher, kreativer Prozess ist, doch die Theorien müssen sich einer kritischen Prüfung unterziehen und sich bewähren: Sie müssen prinzipiell scheitern können, intersubjektiv nachvollziehbar sein, sich als erklärungsmächtig erweisen und nötigenfalls revidiert werden. Dieses "Trial-and-Error"-Prinzip der Erkenntnisgewinnung kann man auch auf Ontologien (Metaphysiken) anwenden – dabei trennt sich die Spreu vom Weizen, nämlich eine schlechte von einer guten Ontologie: Das Voraussetzen der Welt, deren Eigenschaften sich erforschen lassen, ist metaphysisch weniger aufwändig und besser kritisierbar als eine autonom geistige, übernatürliche Dimension. Die Existenzhypothese Gottes ist nicht intersubjektiv nachvollziehbar, weil der Schluss auf ein ewiges, vollkommenes, allmächtiges Geistwesen, das Welten und Naturgesetze planen kann, empirisch nicht gerechtfertigt ist. Die Erfahrung lehrt uns, dass es keine reinen Geistwesen gibt und dass alle intelligenten Akteure endlich, unvollkommen, begrenzt mächtig, an materiell-energetische Strukturen gebunden und in den Kausalstrom der Welt eingegliedert sind, ohne die konstant miteinander verbundenen Eigenschaften der Dinge ändern (z.B. sich mit Überlichtgeschwindigkeit fortbewegen oder außerhalb raumzeitlicher Strukturen handeln) zu können. Kurzum:

"Mit dem Verweis auf einen außerweltlichen Planer wird … das empirische Analogieargument verlassen, denn nichts aus unserer Erfahrung deutet auf die Existenz außerweltlicher Planung hin." (MAHNER 2005, 347)

Übernatürliches kann auch nicht überprüft werden, geschweige denn etwas erklären:

"Überprüfbar ist … nur das, mit dem wir wenigstens indirekt interagieren können, und das, was sich gesetzmäßig verhält. Übernatürliche Wesenheiten entziehen sich hingegen per definitionem unserem Zugriff und sind auch nicht an (zumindest weltliche) Gesetzmäßigkeiten gebunden." (MAHNER 2003, 138)

Wie Martin MAHNER ausführt, könnte etwas, das keinen (innerweltlichen) Gesetzmäßigkeiten unterliegt, zwar prinzipiell zur "Erklärung" von allem und jedem herangezogen werden. Solche All-Erklärungen sind aber keine differenzierten Erklärungen, das heißt sie erklären nicht spezifisch das, was sie erklären sollen. Nur Theorien, die differenziert erklären, das heißt unter Nennung empirisch bestätigter Mechanismen und Gesetzesaussagen darlegen, wie und warum ein bestimmter Sachverhalt so und nicht anders zustande kam, haben Erklärungskraft. Bei "Gott" und dessen Wechselwirkung mit der Materie hingegen handelt es sich um vollkommen unbekannte Faktoren. Folglich sind Erklärungen, die sich auf Gottes Wirken beziehen, weder erhellender noch spezifischer noch weniger beliebig als der Verweis auf Zauberei.

Die Gott-Hypothese als "rationales Konzept" der Erklärung zu bezeichnen ist so, als würde man die Behauptung, ein geheimnisvoller Mechanismus gebäre Sterne, Planeten, Leben und überhaupt alles, was man sich sonst noch vorstellen kann, als intellektuell befriedigend betrachten, ohne diesen Mechanismus konkretisieren oder nachweisen zu können. Würde ein Naturalist so "argumentieren", würde man ihn zu Recht des Obskurantismus bezichtigen.

Dadurch, dass WIDENMEYER der naturalistischen Wissenschaftsphilosophie (zu Unrecht) den Appell an "eine gleichsam magische, fast unbegrenzte Schöpferkraft blinder, toter Materie" unterstellt (s. Klappentext) [3], andererseits auf den Supranaturalismus verweist, auf den dieses Attribut (magische, unbegrenzte Schöpferkraft) zutrifft, scheitert seine Argumentation an einem performativen Selbstwiderspruch. Er kritisiert am Naturalismus "magische" Elemente, von denen er selbst üppig Gebrauch macht.

   

Das "innere Wesen" der Dinge


WIDENMEYER behauptet ferner, die Naturwissenschaften könnten das "innere Wesen der Dinge" nicht erfassen, wodurch nahegelegt wird, dass eine supranaturalistische Metaphysik dies könne:

"Die Naturwissenschaft ist nicht in der Lage, über das bloße äußerliche Verhalten der Gegenstände hinaus ihr eigentliches, inneres Wesen zu erforschen: Sie kann zum Beispiel nichts darüber sagen, ob Naturgegenstände überhaupt materiell sind, und was Materie ist (falls es sie gibt)." (ebd., 103)

Wie oben betont wurde, ist es zwar richtig, dass sich metaphysische Fragen der Klärung durch die Naturwissenschaften entziehen, weil sie per Definition über den Zuständigkeitsbereich der Einzelwissenschaften hinausgehen: Wodurch zeichnen sich materielle Dinge aus? Was ist Kausalität? usw. Daraus folgt aber noch lange nicht, dass diese Fragen aus naturalistisch-materialistischer Sicht unbeantwortbar wären. Im Gegenteil, BUNGE & MAHNER (2004) formulieren eine materialistische Ontologie, die sich solchen Fragen stellt, siehe dort z.B. Kap. 2.1: "Materielle Dinge" (S. 18-20), Kap. 2.5.1: "Materialität und Realität" (S. 62-66) oder Kap. 4.1: "Ist die materielle Welt nur verkörperte Mathematik?" (S. 128ff). Sie zeigen, dass alternative Ontologien wie diejenige WIDENMEYERs weder von der Wissenschaft benötigt werden noch in der Lage sind, brauchbare Lösungen für metaphysische Fragen anzubieten.

Schlechte Metaphysik zeichnet sich unter anderem dadurch aus, dass sie Begriffe in die Welt setzt, ohne klar darlegen zu können, was sie bedeuten. Zweifelsohne fällt WIDENMEYERs Konzept von einem "inneren Wesen" der Naturgegenstände in diese Kategorie. Der Autor versucht zwar, den Begriff semantisch in nachvollziehbarer Weise zu beschreiben, doch kann er ihn im Wesentlichen nur negativ bestimmen: In einem Gedankenexperiment subtrahiert er alle empirisch feststellbaren Eigenschaften von den Dingen und definiert die so "gewonnene", vermeintlich eigenschaftslose "Substanz" als das innere Wesen der Naturgegenstände (womit er aber nur sagt, was dieses Wesen nicht ist):

"In anderen Worten ginge es darum, die intrinsischen Eigenschaften der Materie dingfest zu machen. Solche intrinsischen Eigenschaften der Materie könnten wir natürlich [sic!] nicht mittels der Naturwissenschaft untersuchen oder beschreiben, weil diese ja nur Zugang zu den äußerlichen, raumzeitlich gefassten Verhaltensweisen hat. Sie könnten aber auch nicht den sensitiven Eigenschaften unserer Wahrnehmungsgegenstände in irgendeiner Weise ähneln: Materie ist ja definitionsgemäß eine nichtgeistige Substanz; sensitive Eigenschaften hingegen beruhen auf der Subjektivität geistiger Wesen; sie sind Merkmale des Geistigen, unseres Bewusstseins. Wir müssten uns also eine materielle Substanz als etwas denken, von dem sowohl alle sensitiven als auch alle strukturellen, physikalischen Eigenschaften vollständig abgezogen sind. Dies dürfte aber zumindest für uns Menschen undenkbar sein, denn hier bliebe für unser Denken und Vorstellen exakt nichts übrig. Von dem, was Materie an sich ist, falls es sie gibt, haben wir Menschen daher keinerlei Vorstellungen und nicht einmal irgendeinen Ansatz einer Vorstellung oder eines Begriffs." (ebd., 110)
         
In diesem Abschnitt wird der Leser gleich mit vier schweren Missverständnissen konfrontiert: Erstens ist "Materie" keine Substanz, sondern die Menge aller materiellen Objekte bzw. Dinge und damit ein Abstraktum (BUNGE & MAHNER 2004, 64). [4]

Zweitens sind die Eigenschaften von Dingen keine real existierenden Objekte, sondern ebenfalls Abstrakta – folglich kann man sie auch nicht physisch von den Dingen "abziehen" (vgl. BUNGE & MAHNER 2004, 23ff). Es gibt nur Dinge, die sich verhalten, und denen wir aufgrund ihres Verhaltens Eigenschaften zuschreiben, weder Eigenschaften an sich noch Substanzen an sich. Das heißt, auch die vermeintliche Substanz materieller Dinge ist ein Abstraktum. "Substanzen", von denen "sowohl alle sensitiven als auch alle strukturellen, physikalischen Eigenschaften vollständig abgezogen sind", existieren nicht real, sondern lediglich in der Phantasie einiger Metaphysikerhirne. Aus materialistischer Sicht ist es also völlig sinnlos, nach einem "inneren Wesen" der Dinge zu fragen, das auf einer Vergegenständlichung (Reifikation) von Eigenschaften und (eigenschaftsloser) Substanz beruht.
           



 
Abb. 2
Gibt es ein "inneres Wesen" der Dinge, das wir, wie KANT meinte, prinzipiell nicht erkennen können, sondern nur die Erscheinungen der Dinge selbst?
     

WIDENMEYERs Argument ist ein anschauliches Beispiel dessen, was man als Fehlschluss der Äquivokation (VOS SAVANT 1996, 76) bezeichnen kann: Wir sprechen über Eigenschaften von Dingen so, als wären es selbst Dinge, obwohl Dinge eine reale, ontologische Bedeutung haben, Eigenschaften dagegen nur eine abstrakte. So kann man die Eigenschaften von Dingen gedanklich von ihnen lösen, man spricht etwa von "der Ladung" eines Elektrons. Es wäre jedoch ein Kategorienfehler, daraus zu folgern, es existiere einerseits eine struktur- und eigenschaftslose "Substanz" namens Materie, und andererseits eine "Ladung" an sich, die eine Substanz dazu befähige, sich wie ein Elektron zu verhalten. Nicht die gesetzmäßig miteinander verbundenen Eigenschaften der Dinge, die der Mensch aus ihrem Verhalten herausliest, bewirken, dass sie sich gesetzmäßig verhalten, sondern umgekehrt: Die Dinge verhalten sich aus sich selbst heraus gesetzmäßig, ohne dass ihr physisch jene Prädikate hinzugefügt werden müssten, die man von ihnen abstrahiert.

Drittens benutzt WIDENMEYER eine deviante, ja irreführende Definition des Begriffs der intrinsischen Eigenschaft. Normalerweise versteht man unter intrinsischen Eigenschaften nämlich nicht das Gegenteil von dispositionalen oder empirisch messbaren, physikalischen Eigenschaften, sondern von relationalen Eigenschaften. Dazu wieder BUNGE & MAHNER (2004, 23):

"Eine intrinsische Eigenschaft eines Dings ist eine, die das Ding unabhängig von anderen Dingen besitzt, selbst wenn es sie unter dem Einfluss anderer Dinge erworben haben sollte. So sind Zusammensetzung, Spin, elektrische Ladung und Lebendigsein intrinsische Eigenschaften. Demgegenüber ist eine relationale Eigenschaft eine, die ein Ding in Bezug zu anderen Dingen besitzt."

Ein weithin bekanntes Beispiel ist der Unterschied zwischen Masse und Gewicht: Masse ist eine intrinsische Eigenschaft realer Objekte, weil sie den Dingen inhärent ist. Gewicht hingegen ist eine relationale Eigenschaft, weil sie von der Stärke eines Gravitationsfelds, also von anderen Dingen abhängt. Intrinsische Eigenschaften der Dinge wie deren Masse sind zwar nicht direkt messbar (oder wahrnehmbar), doch kann man sie theoretisch erschließen: Sie werden zur Beschreibung bestimmter Phänomene gebraucht und lassen sich indirekt durch Messung anderer mit ihr in Verbindung stehender Eigenschaften (z.B. von Trägheitskräften) feststellen.

Da wir also die intrinsischen Eigenschaften von Dingen rekonstruieren und in den betreffenden Theorien begrifflich klar beschreiben können (meist sogar in mathematischer Form), ist das "innere Wesen" der Dinge entweder trivial (weil wissenschaftlich beschreibbar) oder unnützer Mystizismus (weil ein geheimnisvolles "inneres Wesen" der Dinge weder in den Naturwissenschaften noch in der Philosophie gebraucht wird). Das Konzept der Naturwissenschaften ist ersteres, WIDENMEYERs Konzept letzteres. [5]

Viertens erinnert WIDENMEYERs Argument an den so genannten Phänomenalismus Immanuel KANTs, der behauptete, dass wir die Dinge nicht wahrnehmen können, sondern nur ihre Erscheinungen (Phänomene) registrieren (Abb. 2; MAHNER pers. comm.). Würden wir aber davon ausgehen, dass sich in den Phänomenen – also in "den äußerlichen, raumzeitlich gefassten Verhaltensweisen" (WIDENMEYER) – nicht auch intrinsische Eigenschaften realer Dinge wiederspiegeln, wäre es völlig sinnlos anzunehmen, es sei möglich, etwas über die Welt in Erfahrung zu bringen. Eine solche Haltung ist anti-realistisch; wer meint, dass die Naturwissenschaften nicht hinter bloße Erscheinungen blicken, das Wesen der Dinge also nicht rekonstruieren können, sagt nichts anderes, als dass wir lediglich unsere Hirngespinste "erforschen". Der hypothetische Realismus, der annimmt, dass es eine subjektunabhängige Wirklichkeit gibt, die wir teilweise wahrnehmen und erforschen können, wäre dann falsch; dies würde auch WIDENMEYERs Weltbild betreffen. Aussagen, wie dass es Indizien gäbe, die für die Existenz Gottes sprechen, wären dann erst Recht sinnlos.

Der KANTsche Phänomenalismus kann für WIDENMEYER also genauso wenig eine Option sein, wie für die Naturwissenschaften: Nicht nur Naturwissenschaftler und Kriminalisten, auch im Alltag gehen wir davon aus, dass der Schein trügen kann, dass also hinter bloßen Erscheinungen eine weitaus mannigfaltigere Realität steckt, die wir in Teilen rekonstruieren können. Die Zeiten sind längst vorbei, als man in der Wissenschaftstheorie nur Entitäten akzeptierte, die sich über Erscheinungen, Messungen und über ihr dispositionales Verhalten definieren lassen. Dieser so genannte Operationalismus erwies sich als unhaltbar, weil die Bedeutung physikalischer Begriffe über das Beobachten und Protokollieren von Messdaten hinausgeht.

Im folgenden Abschnitt offenbart sich eine weitere ontologische Fehlkonzeption. So scheint WIDENMEYER davon auszugehen, dass nicht nur Dinge, sondern auch Eigenschaften von Dingen über ein Wesen verfügen, das die Naturwissenschaften nicht erklären können:

"Wenn wir zum Beispiel den physikalischen Begriff eines Atoms weiter analysieren, so ergibt sich, dass es sich um etwas handelt, das eine bestimmte räumliche Struktur, Ladungsverteilung, Masseverteilung, Energiezustände und so weiter besitzt. Auf eine Frage schließlich, was zum Beispiel Ladung ist, wird die Naturwissenschaft nur zur Aussage kommen, dass es sich hierbei um eine bestimmte Weise handelt, wie Gegenstände sich unter definierten Bedingungen verhalten, wenn sie formal eine bestimmte ‚Ladung haben‘. Es ist wieder eine Wenn-Dann-Eigenschaft. Was aber Ladung, Masse, Energie und so weiter über bloße, definierte Verhaltensweisen hinaus jeweils sind, kann die Naturwissenschaft prinzipiell nicht sagen. Es wäre eine metaphysische Frage, was physikalische Gegenstände und Eigenschaften ihrem Wesen nach sind, was für eine Substanz ihnen zugrunde liegt beziehungsweise welche Realität sich jenseits ihrer bloßen Erscheinung befindet." (ebd., 110)

Der materialistischen Ontologie zufolge haben Eigenschaften aber selbst kein Wesen, sondern nur die Dinge selbst. Das Wesen von Dingen wird durch ihre (essentiellen) Eigenschaften bestimmt. Man kann z.B. fragen, wodurch sich Dinge mit einer (Ruhe-) Masse und mit einer elektrischen Ladung auszeichnen. Ein Wesen physikalischer Eigenschaften jedoch würde voraussetzen, dass diese Eigenschaften selbst durch essentielle Eigenschaften gekennzeichnet wären - dann aber könnte man fragen, durch welche essentiellen Eigenschaften wiederum diese essentiellen Eigenschaften von Eigenschaften gekennzeichnet sind usw. (MAHNER, pers. comm.).

Aus Sicht des Materialismus ist es ebenso sinnlos zu fragen, was "elektrische Ladung" ihrem Wesen nach ist, wie wenn gefragt würde, worin das innere Wesen der Zahl 7 besteht. Und die Naturwissenschaften können schlecht etwas beschreiben, was auf einen Missverständnis des Materialismus beruht und was sie daher auch nicht als gegeben ansehent.

   

Zusammenfassung


WIDENMEYERs Naturalismuskritik scheitert an dem performativen Selbstwiderspruch, einerseits die Existenz nicht mehr hinterfragbarer Tatsachen (sog. facta bruta) als Unzulänglichkeit des Naturalismus und als Plausibilitätsargument zugunsten der Existenz Gottes zu interpretieren, andererseits aber die Gottexistenz als factum brutum voraussetzen zu müssen. Dieser Widerspruch wird nur oberflächlich zugedeckt, indem Gott als in sich verständlich bezeichnet wird, womit etwas vorausgesetzt wird, was nicht weiter begründet werden kann.

Dem Autor gelingt es nicht zu zeigen, wie der Supranaturalismus zu konkreteren Erkenntnissen oder gar zu Erklärungen gelangen könnte als der Naturalismus. Den an sich gestellten Anspruch, einen intelligibleren Lösungsansatz zu präsentieren als den Naturalismus, kann er nicht einlösen. Im Gegenteil, die Erklärungsleistung, die WIDENMEYER für den Supranaturalismus beansprucht, geht nicht über das Niveau undifferenzierter All-Erklärungen hinaus. Eine ordentliche Theorie des Übernatürlichen und der behaupteten Interaktion zwischen Gottes Geist und der Materie kann er nicht anbieten. Er unterstreicht damit ungewollt die naturalistische Grundeinsicht, dass das Verständnis der Welt nicht über sie hinaus führt. Ironischerweise wirft der Autor dem Naturalismus zu Unrecht den Gebrauch magischer Elemente vor, von denen er selbst üppig Gebrauch macht.

Der Supranaturalismus kann keine Evidenz beanspruchen, weil nichts aus der Erfahrung auf außerweltliche Planung hindeutet. Das Analogie-Argument ist nur dann scheinbar plausibel, wenn man alles, was wir über intelligente Planer wissen (etwa, dass es keine reinen Geistwesen gibt und dass sie sich nicht über die Naturgesetzlichkeit der Welt hinwegsetzen können), ignoriert und ins Gegenteil verkehrt. Daher kann sich WIDENMEYER nicht auf Rationalität, sondern nur auf den A-priori-Glaubensstandpunkt berufen, dass sich eine geistige Ordnung bei Gott aus sich selbst erklärt, wogegen alle materielle Ordnung einer weiteren Erklärung bedarf.

Oft skizziert der Autor vermeintliche Probleme des Naturalismus, die nur aus dem Blickwinkel seiner speziellen Metaphysik zu existieren scheinen, dem Selbstverständnis des Naturalismus und Materialismus jedoch widersprechen: So beruht des Autors Vorstellung von der Existenz eines unerklärbaren "inneren Wesens" der Dinge und ihrer Eigenschaften aus materialistisch-naturalistischer Sicht teils auf einem Kategorienfehler, weil er "Eigenschaften" und "Substanzen" vergegenständlicht, teils auf der philosophischen Anschauung des Phänomenalismus, wonach wir nur die Erscheinungen der Dinge erkennen, nicht aber das Wesen der Dinge selbst rekonstruieren können. Diese Anschauung ist jedoch anti-realistisch, womit WIDENMEYER die Basis seiner eigenen Argumentation wegschneidet. Die Grundzüge des Naturalismus und Materialismus, die er kritisiert, hat er nicht hinreichend verstanden.

   

Dank


Für hilfreiche Hinweise und Argumente danke ich Dr. Martin MAHNER, Leiter des Zentrums für Wissenschaft und kritisches Denken der GWUP.

   

Literatur


ALBERT, H. (1991) Traktat über kritische Vernunft. Verlag J.C.B. Mohr, Tübingen.

BUNGE, M. & MAHNER, M. (2004) Über die Natur der Dinge. Materialismus und Wis-senschaft. Hirzel-Verlag, Stuttgart.

KANITSCHEIDER, B. (1999) Es hat keinen Sinn, die Grenzen zu verwischen. Spektrum der Wissenschaften 11, 80–83.

KANITSCHEIDER, B. (2003) Naturalismus, metaphysische Illusionen und der Ort der Seele. Grundzüge einer naturalistischen Philosophie und Ethik. In: Zur Debatte. Themen der Katholischen Akademie in Bayern 1, 33–34.

MACKIE, J.L. (1985) Das Wunder des Theismus. Argumente für und gegen die Exis-tenz Gottes. Reclam-Verlag, Stuttgart.

MAHNER, M. (2003) Naturalismus und Wissenschaft. Skeptiker 16, 137–139.

MAHNER, M. (2005) Religion und Wissenschaft: Konflikt oder Komplementarität? MIZ 34, 16–20.

MORRISTON, W. (2000) Must the beginning of the universe have a personal cause? A critical examination of the kalam cosmological argument. Faith and Philosophy 7, 149–169.

VAAS, R. (2013) Vom Gottesteilchen zur Weltformel: Urknall, Higgs, Antimaterie und die rätselhafte Schattenwelt. Kosmos-Verlag, Stuttgart.

VOLLMER, G. (1986) Was können wir wissen? Bd. 2: Die Erkenntnis der Natur. Hirzel-Verlag, Stuttgart.

VOS SAVANT, M. (1996) The power of logical thinking. St. Martin’s Press, New York.

WIDENMEYER, M. (2014) Welt ohne Gott? Eine kritische Analyse des Naturalismus. SCM Hänssler.

_______________________

   

Fußnoten


[1] Nachtrag (13.03.2016): Der Anti-Naturalist und WORT-UND-WISSEN-Vertreter Felix HESS (2015) hat sich inzwischen an einer Kritik dieses Beitrags versucht. Der Physiker Uwe GROM (2016) weist Punkt für Punkt nach, dass HESS‘ Argumentation in allen Belangen gescheitert ist; s.: www.ag-evolutionsbiologie.net/html/2016/welt-mit-verstand-replik-felix-hess.html

[2]Nach ARISTOTELES geht jeder Bewegung bzw. Wirkung eine weitere Bewegung bzw. Ursache voraus. Der unendliche Regress kann nur durch eine Ursache gestoppt werden, die selbst unbewegt bzw. unverursacht ist. Thomas V. AQUIN nannte den ersten "unbewegten Beweger" Gott.

[3] In Wahrheit lässt der Naturalismus nur empirisch begründete Mechanismen und Gesetzesaussagen zu, die nicht unbegrenzt erklären. Zur Entstehung von Planeten etwa braucht es ganz andere Mechanismen als zur Entstehung von Leben.

[4] Materielle Objekte (Dinge) sind solche, die Zustandsänderungen erfahren können, also Teilchen, Teilchensysteme und Felder. Dies grenzt sie von immateriellen Objekten wie Zahlen, Formeln, Denkinhalten, fiktiven Gestalten, Argumenten usw. ab. Immaterielle Objekte sind Abstrakta und können sich nicht verändern, geschweige denn kausal wirksam werden. So wäre es unsinnig zu fragen, wie es der Zahl 7 heute erging, welche Prozesse die MAXWELL-Gleichungen verursachen oder welche Zustandsänderungen ein Gedanke erfährt. Daraus folgt, dass Bewusstsein und Geist auf materielle Prozesse reduzierbar sind. Wären sie nämlich etwas Immaterielles, wäre kein bewusstes Erleben möglich, weil Wahrnehmung und Nachdenken etwas Dynamisches sind – und damit die Folge von Zustandsänderungen eines Systems. Wir kommen in einem anderen Teil der Buchbesprechung darauf zurück.

[5] In populärwissenschaftlichen Abhandlungen liest man des Öfteren, wir wüssten nicht, "was Materie ist" (so z.B. VAAS 2013, 59f). Wie erläutert wird, dürfte es aber bestenfalls heißen, dass wir wissen nicht, was konkrete Dinge sind, da "Materie" ein abstrakter Sammelbegriff ist. Doch auch diese Behauptung wäre falsch, denn bis zu einer Dimension von etwa 10-19 Metern sind alle Dinge in empirisch nachvollziehbarer Weise schalenartig durchstrukturiert und ihrem Wesen nach durch ihre Eigenschaften bestimmt. Wir können z. B. klar darlegen, was Protonen, Kohlenstoffatome, Elefanten und Menschen ihrem Wesen nach sind. Lediglich unterhalb einer Größenordnung von 10-19 Metern können wir die Substrukturen materieller Dinge (noch?) nicht auflösen. Ob Elektronen und Quarks aus noch elementareren Bausteinen bestehen, ob sie eine räumliche Ausdehnung haben und ob sie auf kleinsten Skalen als lokale Verdichtungen von Quantenfeldern beschreibbar sind, können wir derzeit nicht sagen. Das spannende an den Naturwissenschaften ist: Wir können es herausfinden.
   
  

Autor: Martin Neukamm

    

          

     

   

                       

           


© AG Evolutionsbiologie des VdBiol.          13.04.2015          Letzte Aktualisierung: 13.03.2016